Lebensraum Fels

Extremstandort für Spezialisten

Unsere vielen Kalk- und Dolomitfelsen im Naturpark prägen nicht nur das Landschaftsbild und bieten zum wandern und klettern schöne Ausblicke und ideale Bedingungen. Sie bieten außerdem einer angepassten Pflanzen- und Tierwelt einen perfekten Lebensraum und zählen damit zu den artenreichsten Lebensgemeinschaften Mitteleuropas. 

Felsflora - spezialisert auf Extrembedingungen

An Felsen herrschen je nach Exposition denkbar ungünstige Wuchsbedingungen für die meisten Pflanzenarten. Teils extreme klimatische Verhältnisse durch hohe Sonneneinstrahlung und Temperaturunterschiede von täglich bis zu 50 °C und jährlich bis zu 90 °C. Kaum Boden, der Nährstoffe bereithalten, Wasser speichern oder vor Wurzelfrost schützen könnte. Mit diesen Verhältnissen kommen nur gut angepasste Pflanzen zurecht. Der Weiße Mauerpfeffer (Sedum album) speichert beispielsweise Wasser in seinen dicken Blättern, um längere Trockenperioden überdauern zu können (Sukkulenz). Das gefährdete Felsen-Steinkraut (Aurinia saxatilis), mit bayernweitem Verbreitungsschwerpunkt auf den Felsen der Wiesentalb verfügt über eine dichte Behaarung an seinen Blättern, um vor übermäßiger Sonneneinstrahlung und Verdunstung geschützt zu sein. Aus dem gleichen Grund besitzt die in Wildnis extrem selten gewordene Pfingstnelke (Dianthus gratianopolitanus) einen dünnen Wachsüberzug an Stängel und Blättern. An den etwas beschatteteren Felsbereichen kann man oft Farne wie die Mauerraute (Asplenium ruta-muraria) oder den Braunen Streifenfarn (Asplenium trichomanes) finden. Auf Felsbändern und Felsköpfen, auf denen sich etwas mehr Humus anreichern konnte, wachsen häufig Horste angepasster Gräser wie des Bleichen Schwingels (Festuca pallens).

Viele Pflanzenarten, die auf unseren Felsen vorkommen, sind dabei arktisch-alpine Eiszeitrelikte. Das sind kälte- und meist lichtliebende Pflanzenarten, deren ursprüngliches Verbreitungsgebiet in arktischen Regionen und Hochgebirgslagen liegt. Während der Eiszeiten haben sich diese Arten in wärmere, eisfreie Gebiete wie den Frankenjura ausgebreitet, wo sie in den meisten Bereichen nach anschließender Erwärmung wieder verschwunden sind. Nur an geeigneten Standorten wie unseren exponierten Felsen konnten sie sich bis heute durchsetzen. Das Immergrüne Felsenblümchen (Draba aizoides) stammt ursprünglich aus dem Alpenraum und kommt dort in Höhenlagen bis ca. 3400 m vor. Außerhalb der Alpen konnte es sich deutschlandweit nur im Fankenjura und in der Schwäbischen Alb halten und ist deshalb laut Roter Liste gefährdet. Auch die Alpen-Gänsekresse (Arabis alpina) ist außerhalb ihres ursprünglich alpinen Verbreitungsgebiets sehr selten und kommt im Naturpark nur noch an wenigen Felsstandorten der Wiesent- und Pegnitzalb vor. Der Grüne Streifenfarn (Asplenium viride) ist leicht mit dem weiter verbreiteten Braunen Streifenfarn zu verwechseln, findet aber als Eiszeitrelikt einen außeralpinen Verbreitungsschwerpunkt in Bayern an den Felsen der Wiesentalb bei Pottenstein.

Zudem kommen an einigen Felsen im Naturpark Pflanzen vor, die es nirgendwo anders gibt auf der Welt – sogenannte Endemiten. Dazu zählen einige endemische Mehlbeeren, die gerne auf besonnten Felsköpfen, Felsbändern und an lichten Wandfüßen gedeihen. Auch das Fränkische Habichtskraut (Hieracium franconicum), das weltweit nur auf wenigen Felsköpfen der Fränkischen und Schwäbischen Alb vorkommt, zählt zu diesen Endemiten.

In einer Felsspalte wächst ein grüner Farn.
Ein krautartiges Gewächs in einer Felsspalte
An einem Fels wächste ein grün gelbes Kraut.
Auf felsigem Untergrund wächst eine Pflanze mit gelben Blüten.
Eine weiß blühende fetthenne

Felsfauna - in luftigen Höhen und winzigen Spalten

Die Felstürme und –wände des Naturparks werden von einigen Vogelarten zur Brut genutzt. Während in kleineren Höhlen z.B. gerne Kleiber, Dohle, und Waldkauz brütet, sind Uhu und Wanderfalke als typische Felsbrüter auf Felsvorsprünge und Felsbänder angewiesen.

Der Naturpark Fränkische Schweiz – Frankenjura ist durch seine Vielzahl an Höhlen mit einer reichen Artenvielfalt an Fledermäusen gesegnet. Diese wechseln im Verlauf des Jahres von ihren Winterquartieren – meist Höhlen – in ihre Sommerquartiere. Je nach Art werden als Sommerquartier auch kleinere Spalten, Schuppen und Höhlen an Felsen genutzt. Daneben werden die gleichen Felsstrukturen gerne von Siebenschläfern bewohnt. 

Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon), einer der größten und schönsten Schmetterlinge Europas, nutzt die Felskuppen zum Balzflug im Frühjahr. Die Raupen des stark gefährdeten Apollofalters (Parnassius apollo), der außerhalb der Alpen bayernweit nur noch im Fränkischen Jura vorkommt, nutzen als Nahrungspflanzen Weißen Mauerpfeffer (Sedum album), Purpur-Fetthenne (Sedum telephium) und Felsen-Mauerpfeffer (Sedum rupestre), die vor allem auf Felsköpfen wachsen. Aufgrund des Blütenreichtums der Felsvegetation findet man gerade auf den Felsköpfen häufig eine große Vielfalt an weiteren Insekten wie Schwebfliegen, Käfer und Wildbienen vor.

Auch die ungiftige Schlingnatter (Coronella austriaca), die bevorzugt Magerrasen bewohnt und sich hauptsächlich von Zauneidechsen ernährt, nutzt gerne exponierte Felsköpfe zum Sonnenbad.

Etwas unscheinbarer und schlechter erforscht, dafür aber nicht weniger schützenswert sind einige Schnecken-, Spinnen- Assel- und Weberknechtarten, die die steilen Felswände bewohnen.

Gefährdung und Schutz

Die Felslebensräume im Naturpark sind vor allem durch den Freizeitdruck gefährdet. Viele Felsköpfe werden als Aussichtspunkte oder Verstecke für Geocaches genutzt und viele Wandfüße und Felswände für den Boulder- und Klettersport. Dabei können unbeabsichtigt Populationen seltener und empfindlicher Tier- und Pflanzenarten erheblich beeinträchtigt werden.

Dabei kann jeder mithelfen, diese Lebensräume zu schützen:

  • Naturbelassene Felsköpfe nicht betreten!
  • Keine Felsvegetation entfernen!
  • An die Vereinbarungen des Kletterkonzepts halten! 
  • An den Boulderappell halten! 
Eine schwarz-graue Feldermaus hängt an einem Fels
Ein Uhu Jungvogel im grauen Federkleid
ein schwarz-weißer schmetterling mit zwei roten punkten.
Jungvögel eines Wanderfalken im grauen Federkleid