eine mehlbeere mit roten früchten und grünen blättern

Mehlbeeren

Seltene Baumarten mit großem Sonnenbedarf

Man findet sie an fast jedem Aussichtspunkt im Naturpark: Mehlbeeren. Was jedoch nur Wenige wissen ist, dass es sich bei den oft kümmerlichen Gehölzen häufig um botanische Raritäten handelt. Denn im Naturpark Fränkische Schweiz – Frankenjura gibt es eine Vielzahl von Mehlbeeren-Arten, die weltweit nur hier vorkommen! Für den Fortbestand dieser Arten tragen wir eine besondere Verantwortung.

Was genau sind Mehlbeeren?

Mehlbeeren sind Bäume bzw. Sträucher der Gattung „Sorbus“. Namensgebend für die Mehlbeeren ist die Gewöhnliche Mehlbeere (Sorbus aria), die wie die weit verbreiteten Baumarten Vogelbeere (Sorbus aucuparia), Elsbeere (Sorbus torminalis) und Speierling (Sorbus domestica) auch zur Gattung „Sorbus“ gehört. Daneben kommen bei uns noch weitere Mehlbeeren vor, die ein wesentlich kleineres Verbreitungsgebiet haben. Einige davon kommen weltweit nur hier vor. Diese nennt man dann „endemisch“ bzw. „Endemiten“.

Schutz der endemischen Mehlbeeren

Unsere endemischen Mehlbeeren sind sehr lichtbedürftige Pflanzen, die im normalen Waldbestand meist der Konkurrenz schneller und dichter wachsender Baumarten wie der Fichte und der Buche unterliegen. Daher findet man sie heute meist an Waldrändern oder an exponierten Felsen, wo sie nicht zu sehr beschattet werden.

Früher waren Mehlbeeren viel häufiger anzutreffen, da die meisten Wälder im Naturpark als Nieder- oder Mittelwald bewirtschaftet wurden, wovon lichtbedürftige und austriebsfreudige Baumarten wie die Mehlbeeren profitiert haben. Heute sind diese Nutzungsformen selten geworden und mit ihnen auch die Mehlbeeren.

Alle endemischen Mehlbeeren sind bei uns gefährdet, einige sogar vom Aussterben bedroht. Daher ist es dringend nötig, dass wir diese seltenen und weltweit einzigartigen Baumarten fördern und erhalten!

Dazu ist es wichtig, dass bei forstlichen Maßnahmen oder beim Freischneiden von Feld- und Wanderwegen sowie Aussichtspunkten und Straßen Mehlbeeren geschont werden. Zugleich können Mehlbeeren durch Zurückschneiden stark beschattender Gehölze im Umfeld gezielt gefördert werden. Es gibt verschiedene Fördermittel für Landschaftspflegemaßnahmen und die Nieder- bzw. Mittelwaldnutzung. Durch die Unterstützung dieser Maßnahmen und historischen Nutzungsformen wird auch den Mehlbeeren geholfen.

Lokalendemiten und deren Entstehung

Dass es im Naturpark eine große Vielfalt an endemischen Mehlbeeren gibt, ist dem Umstand zu verdanken, dass sich hier die Areale mehrerer häufiger Mehlbeeren-Arten überschneiden. Während Elsbeere und Vogelbeere sehr weit verbreitet sind, kommt auch die Gewöhnliche Mehlbeere randlich am Bamberger Albtrauf vor (allesamt diploid, d.h. sie vermehren sich geschlechtlich). Mitunter die häufigste Mehlbeere im Naturpark ist außerdem die Hügel-Mehlbeere (S. collina), die fast auf der gesamten Frankenalb und in Mainfranken vorkommt. Die Hügel-Mehlbeere (tetraploid) ist dabei „fakultativ apomiktisch“. Das bedeutet, dass sie zwar bestäubt werden muss, um Samen zu bilden, es aber in der Regel nicht zur genetischen Durchmischung kommt und die Samen somit einen Klon der Mutterpflanze bilden. Nur gelegentlich kommt es zum genetischen Austausch mit den geschlechtlichen Arten wie z.B. Elsbeere, Vogelbeere oder Gewöhnlicher Mehlbeere. Die daraus resultierenden Vorkommen sind in aller Regel triploid und ebenso fakultativ apomiktisch, bleiben genetisch stabil und können unterschiedliche Erscheinungsformen und Wuchseigenschaften aufweisen. In manchen Fällen ist die Unterscheidung jedoch selbst für Botaniker eine Herausforderung.

Durch die Kreuzung von Hügel-Mehlbeere mit Elsbeere sind im Naturpark einige stabile Mehlbeeren-Arten entstanden, deren Blätter leicht gelappt und zugespitzt sind (Sorbus latifolia-Gruppe, triploid). Dazu gehört die Fränkische Mehlbeere (S. franconica), die im Kerngebiet des Naturparks häufig und recht weit verbreitet ist, aber auch nur auf der Frankenalb vorkommt. Auf gleiche Weise sind einige weitere Mehlbeer-Arten entstanden, die extrem kleine Verbreitungsgebiete innerhalb des Naturparks haben. Die Ades Mehlbeere (S. adeana) und die Kordigast-Mehlbeere (S. cordigastensis) kommen nur im nahen Umkreis um Weismain vor, während Schnizleins Mehlbeere (S. schnizleiniana) nur an einem Dolomitmassiv nahe Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg wächst.

Jene Mehlbeeren-Arten, die über längliche und stärker gelappte, teils fast gefiederte Blätter verfügen, sind durch Kreuzungen von Hügel-Mehlbeere mit Vogelbeere entstanden (Sorbus hybrida-Gruppe, triploid). Dazu gehört die Hersbrucker Mehlbeere (S. pseudothuringiaca), die in der Hersbrucker Alb und in Teilen des Mittleren Frankenjuras relativ häufig vorkommt. Weiterhin kommt die Gößweinsteiner Mehlbeere (S. pulchra) nur im Umgiff von Gößweinstein, die Harzsche Mehlbeere (S. harziana) nur im Bärental südlich von Weismain und die Leutenbacher Mehlbeere (S. hohenesteri) mit nur wenigen Exemplaren auf einigen Felsköpfen um Leutenbach vor.

In der Gegend des Bamberger Albtraufs finden sich durch das zusätzliche Vorkommen der Gewöhnlichen Mehlbeere einige ganz spezielle Arten und Sippen (Sorbus aria-Gruppe). Durch Kreuzung von Elsbeere mit Gewöhnlicher Mehlbeere ist die im Naturpark extrem seltene (diploide) Bastard-Elsbeere (Sorbus x decipiens) entstanden, die hier nur nahe der Burg Greifenstein vorkommt. Durch die Arealüberschneidung von Hügel-Mehlbeere und Gewöhnlicher Mehlbeere und deren Kreuzung sind zudem einige (triploide) Sippen mit starker lokaler Begrenzung entstanden, die gegenwärtig noch erforscht werden. Dazu zählen beispielsweise die Sippen „Rettern“, „Serkendorf“, „Roßdorf“, „Burggrub“ und „Amstling“.

Bedeutung für den Wald von morgen

Das Besondere an diesen Vorkommen ist, dass die Lokalendemiten vermutlich sehr spezielle Anpassungen an ihre Wuchsorte aufweisen. Sie erreichen bei günstigen Bedingungen, dabei ist vor allem die Lichtverfügbarkeit an ihren Standorten bedeutsam, auch Wuchshöhen von 15 m und Stammdurchmesser von über 50 cm. Aufgrund ihrer Anpassungen an oft sehr steinigen, wenig humusreichen Untergrund in heißen und trockenen Süd- und Westlagen spielen sie im Zuge des Klimawandels eine wichtige Rolle den Wald zu erhalten, wenn gängige Baumarten wie Buche und Kiefer absterben.

Die Existenz von genetischer Vielfalt und besonderen Anpassungen von Baumarten wird in den künftigen Jahren eine große Rolle spielen, wenn durch den Klimawandel unsere Ökosysteme, besonders auch die Wälder, noch mehr unter Druck geraten. Denn Wälder sind nicht nur für die Gewinnung von Brennholz und das Spenden von Schatten wichtig. Ihre Funktionen umfassen neben der Regulation des Wasserhaushalts, der Sauerstoffproduktion und der Bereitstellung von Lebensraum für Vögel, Säugetiere und Insekten noch viele weitere, für uns überlebenswichtige Bereiche. Wenn durch Schutz und Erhalt der Mehlbeere Bausteine für den Erhalt der Wälder in der Zukunft gesetzt werden können, haben auch die zukünftigen Generationen einen hohen Nutzen von unseren Bemühungen.

grüne blätter mit ausgefranzten spitzen
eine mehlbeere mit roten früchten und grünen blättern
Ein buschiges Gewächs mit grünen blättern und roten früchten
ein dunkelgrünes blatt mit spitzen franzen